Chancen nach Augen-OP - wer hat Erfahrung?

Nici, Friday, 27. June 2008, 22:00 (vor 6478 Tagen)

Hallo liebe Forums-Mitglieder,

ich bin gerade auf dieses Forum gestoßen und sehr glücklich, dass ich hier vielleicht von jemandem einen Rat bekommen kann.

Bei meiner Mutter hat sich vor einer Woche die Netzhaut auf dem linken Auge gelöst und sie wurde sofort operiert. Der operierende Arzt musste danach sofort auf eine Konferenz, so dass sie nicht mehr mit ihm reden konnte. Sie macht sich große Sorgen, ob sie je wieder sehen kann. Der Augenarzt, der sie jetzt behandelt, hat irgendwas gesagt, dass bei ihr die Netzhaut bis zum 'zentralen Kern' (bei der Formulierung bin ich mir nicht sicher, aber so was in der Art) gelöst war.

Meine Mutter ist so verzweifelt, die Ungewissheit macht sie fertig, ich möchte Ihr
so gerne helfen. Hat jemand Erfahrungen, wie lange das in etwa dauert, bis sie wieder etwas sehen kann> Wie lange muss man warten> Ab wann gibt es keine Hoffnung mehr, dass das Sehvermögen wieder zurückkehrt> Wie gesagt, die OP ist jetzt circa 10 Tage her.

Ich bin unendlich dankbar für jeden Rat.

Ganz liebe Grüße

Nicole

Chancen nach Augen-OP - wer hat Erfahrung?

rop @, Saturday, 28. June 2008, 00:37 (vor 6478 Tagen) @ Nici

Hallo Nici,

Punkt 1:
der "zentrale Kern" ist vermutlich die Macula, der innerste Bereich des Gesichtsfelds, und hierin gibt es wiederum mittig einen minikleinen Bereich, der Sehgrube heißt. In diesem Minibereich sind die Zapfen optimal verschaltet - d.h. ein Zapfen hat nur einen Anschlusspunkt an genau eine Nervenzelle, die dann in den Sehnerven führt, um die optimale Bildqualität zu gewährleisten, also das, was der normalsichtige Mensch beim Augenarzt oder Optiker mit sagen wir mal 90%, 100 % oder mehr Sehschärfe erreicht. Wenn wir etwas lesen, wenn wir etwas fixieren, d.h. betrachten, dann tun wir das genau mit diesem Bereich.
(Wenn dieser Bereich einen Schaden hat, kann das Auge und das Gehirn umlernen und sich andere Bereiche im Gesichtsfeld suchen, mit dem es dann fixiert. Und dann dauert das etwas länger mit dem Verarbeiten, klar, die Sehschärfe ist in diesem anderen Bereich der Netzhaut geringer und die Sehzellen sind nicht mehr optimal mit dem Sehnerven verschaltet, da hängen dann mehrere Sehzellen mit einer NErvenzelle zusammen.)

Punkt 2:
Wenn also die Netzhaut richtig runterkommt, wie das wohl bei deiner Mutter der Fall war, ist es eben wichtig, sehr schnell zu handeln, um die Blut- und Nährstoffversorgung der Sehzellen wieder herzustellen. Das ist ja anscheinend passiert.

Punkt 3:
Es regenerieren sich zwar die Endsegmente der Sehzellen (und der Stoffwechselmüll wird normalerweise jeden Tag entsorgt), aber die einzelnen Sehzellen wachsen nicht nach. D.h. 120 Millionen Stäbchen ca. und 6 Millionen Zapfen ca. funktionieren von unserem ersten Tag an bis der Herrgott uns ruft ;-) und das tagein tagaus 14 Stunden lang (und normalerweise ohne dass wir darüber nachdenken!).

Punkt 4:
In gewisser Hinsicht ist es doch gegeben, dass sich die Sehzellen etwas erholen, und das braucht Zeit, Wochen, Monate.
Man sagt, je schwerer die Ablösung oder die OP, um so länger dauert das.
Ich kam z. B. mit einem Entlassungsvisus von 10 Prozent raus, es dauerte vielleicht ein gutes halbes Jahr, bis ich so 50-60 Prozent hatte.

Alles Gute für deine Mutter!
Ich drücke ihr die Daumen!

Und meinen Sehzellen gönne ich jetzt die Nachtruhe, sie haben es sich verdient -
lg rop

Chancen nach Augen-OP - wer hat Erfahrung?

Wolfram (DD), Dresden, Saturday, 28. June 2008, 07:19 (vor 6478 Tagen) @ Nici

Hallo Nicole,
Erstmal herzlich willkommen hier.
Ergänzend zu Rop:
Es kommt auch noch darauf an, welche OP-Methode angewandt wurde. Das solltet Ihr bei der nächsten Kontrolle den AA fragen (oder es steht im Entlassungsbefund).
Bei Plombe oder Cerclage wird der gesamte Prozeß schneller gehen, als wenn man ins Auge rein mußte - d.h. wenn die Netzhaut von innen wieder "angeheftet" wurde. Dann ist es nötig, den Glaskörper zu ersetzen -> Gas- oder Öltamponade.
Gas resorbiert dann (2..3..4 Wochen) und in dem Maße sollte auch das Sehen wieder besser werden.

Wenn mit dem "zentralen Kern" die Makula gemeint ist, kann man wirklich nur abwarten.
Was sieht Deine Mutter jetzt> Hell/dunkel, Handbewegungen> Mehr> Etwas sollte sie sehen...

Auf alle Fälle ist es gut, daß sofort operiert wurde! (Erklärung siehe Rop)

Alles Gute - und erstmal viel Geduld! Ich weiß, wie schwer das ist. Es das klingt tröstend - (soll es auch sein), aber 10 Tage sind eine sehr, sehr kurze Zeit.
herzliche Grüße - auch an Deine Mutter
Wolfram

Chancen nach Augen-OP - wer hat Erfahrung?

Ingrid, Stuttgart, Saturday, 28. June 2008, 13:26 (vor 6478 Tagen) @ Nici

Hallo, Nicole,
ich find es ganz toll, dass du dich sofort auf die Suche im Netz gemacht hast. Wenn meine Tochter daran gedacht hätte, hätte ich vieles vorher erfahren, so konnte ich erst 7 Wochen nach der OP (NHA, Auge mit Silikonfüllung stabilisiert) das erste mal was lesen. Und bin auf das Forum gestoßen, wo mir dann erst vieles klarer wurde.
Das mit dem zentralen Punkt ist ziemlich sicher die Makula, (AÄ sagen das manchmal so), das kann wieder zu einem ziemlich guten Bild führen, wenn es, wie du ja schreibts, schnell operiert wurde. Aber es dauert! Berechne den Bereich Wochen, eher Monate ein, das Gehirn muss sich eventuell erst umstellen, das dauert einfach. Nach 10 Tagen kann man da noch nichts sagen, außer, dass die OP etc soweit ok war und wie der Heilungsverlauf ist. Aber die Netzhaut regeneriert sehr langsam.
Bestell deiner Mutter liebe Grüße, ich schätze, ihr werdet Geduld brauchen!
Liebe Grüße
von
Ingrid

Chancen nach Augen-OP - wer hat Erfahrung?

Nici, Saturday, 28. June 2008, 21:42 (vor 6477 Tagen) @ Ingrid

Liebe(r) Wolfram, Ingrid & Rob,

vielen lieben Dank für Eure Tipp und Ratschläge. Das hat mir sehr geholfen, um das alles etwas besser zu verstehen.

Ich habe meine Mutter gefragt, was das genau für eine Operation war, aber sie wusste das selbst nicht genau. Sie wird in den Unterlagen nachschauen, wusste nur, dass sie eine Füllung mit Gas bekommen hat.

Das alles ist jetzt 10 Tage her und sie sieht auf dem linken Auge so gut wie nichts, nur eine ganz leichte Schattierung, wenn sie nach unten auf ihre Hand schaut. Wenn sie die Hand vor ihr Gesichtsfeld hält, sieht sie weniger. Aber wie gesagt - viel ist das nicht, was sie sieht. Nur eine leise Ahnung von einem Schatten.

Wie ist das denn, kommt die Sehkraft allmählich wieder, oder geht das ruckartig> Sollte sie in der nächsten Woche schon etwas mehr sehen können>

Ganz liebe Grüße an Euch alle.

Nici

Chancen nach Augen-OP - wer hat Erfahrung?

Wolfram (DD), Dresden, Sunday, 29. June 2008, 10:17 (vor 6477 Tagen) @ Nici

Hallo Nici,
So, wie Du das Sehen Deiner Mutter schilderst, würde ICH sagen, das wird noch besser (aus eigner Erfahrung - Prognosen sollten sich nur die Ärzte zutrauen... und DAS werden sie, da die Makula beteiligt war, vermutlich gar nicht oder nur sehr vorsichtig tun. Man kann nur abwarten.

In der ersten Zeit mit Gasfüllung hat man den Eindruck, es täte sich nichts, man merkt nur den Unterschied zwischen dem Geradeaus- und dem nach-unten-Gucken (durch die unterschiedliche Lage des Gases im Auge); die ersten Verbesserungen bemerkte ich dann beim nach-unten-Gucken. Es war ein Erlebnis, die eigenen Zehen wieder deutlich zu sehen)
Dann sieht man, wie die Gasblase von Tag zu Tag kleiner wird und sich das Sehen ganz langsam (!) verbessert.

Hat man Deiner Mutter nach der OP nichts von einer bestimmten Kopfhaltung gesagt> (Viele hier mußten 2..3..4.. Wochen überwiegend auf dem Bauch liegen. (Gas steigt nach oben - und soll da die NH andrücken)

--
herzliche Grüße aus Dresden
Wolfram

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