Sehnervdegeneration

rop @, Monday, 30. June 2008, 20:43 (vor 6475 Tagen) @ Ingrid

Liebe Ingrid,
es gibt nur zwei Arten der Gesichtsfeldmessung: die manuell-kinetische nach Goldmann, wo also die Leuchtmarke, die in Größe und Helligkeit und Form definiert ist, von außen nach innen geführt wird. An dem Punkt, an dem man sie gerade erkennt, muss man den Knopf drücken.

Dann gibt es noch die computergestützte automatische Perimetrie, an der für uns nicht nachvollziehbar willkürlich durcheinander im Gesichtsfeld Marken erscheinen. WErden sie nicht erkannt, wird die Messung an dem Punkt mit einer größeren Helligkeit oder einem größeren Stimulus wiederholt, so in etwa, so dass mit dieser Methode Schwellenwerte festgestellt werden können, ab der in diesem Bereich gerade ein Stimulus erkannt wird. Außerdem gibt es hier viel mehr Prüforte, das kann alles programm-mäßig eingestellt werden, wird aber nicht zu gutachterlichen Zwecken verwendet. Zu gutachterlichen Zwecken darf nur ein manueller Goldmann mit der Marke III/4 gemacht werden.
Die automatische MEssung greift meist den Maculabereich von 30 Grad ab, während die manuell-kinetische wirklich von ganz außen kommt, deswegen sind ja auch die Gradangaben auf dem Zettel so weit.

Ich habe mal ein Goldmann erlebt, bei dem dann nach der Bewegung von außen nach innen auch dann innerhalb des Gesichtsfeldes mit einzelnen Punkten (vermutlich an prädestinierten Stellen für Ausfälle) gemessen, und so wurden neben dem Sehnerven noch andere Inseln entdeckt, an denen nichts passierte. (Für die Neulinge: Natürlich sieht man an der Stelle, wo der Sehnerv abgeht, nichts, da befinden sich ja nur die Nervenfasern und keine Sinneszellen, und das ist ganz normal, das ist ja der Blinde Fleck.)

Neben diesen beiden Gesichtsfeldmethoden gibt es keine weitere.

Es gäbe aber die Möglichkeit, die Funktion des 5 Grad-Auges mit einem VEP oder einem mfERG zu messen, aber ob das Sinn macht,ist was anderes.
Das VEP misst die Sehnerven-/Sehbahnfunktion und das mfERG die elektrischen Potenziale der Netzhautmitte (also Macula, 30°), was ja mit der Gesichtsfeldmitte und der Mitte des Sehnervens gleichzusetzen ist.

Ich stelle mir das mit dem Wiederspiegeln des Gesichtsfelds sehr fricklig vor, Gott sei Dank bin ich kein Mediziner! Gesichtsfelddefekte, die eben was mit der Funktion der Nervenfasern bzw. dann eben des Sehnerven zu tun haben, sieht man eben an der Gestalt und Beschaffenheit des Blinden Flecks. Dann gibt es Gesichtsfelddefekte, die sich an der Beschaffenheit der Netzhaut ablesen lassen, die der Augenarzt dann mit der Betrachtung durch das Kontaktglas sieht.
Dann gibt es die Möglichkeit, Gesichtsfeldgrenzen, ich hoffe, ich erzähle jetzt kein dummes Zeug - mal auf der Internetseite Augenzentrum Siegburg nachlesen, da ist das ganz gut erklärt - mit einer bestimmten Untersuchungsmethode darzustellen, ich glaube,das war die Fundusautofluoreszenz (FAF). Bei bestimmten Erkrankungen der Netzhaut lagern sich dann Stoffwechselschlacken an den Außengrenzen des Gesichtsfelds ab, bzw. es ist eine Art Ring darstellbar, der dann genau die Gesichtsfeldgrenze zeigt. Dieser Ring ist nur mit dieser Methode darstellbar.
Dann lernt noch jeder Mediziner, dass die Form der Gesichtsfeldausfälle Rückschlüsse schließen lässt auf die zugrunde liegende Erkrankung. Es könnte ja auch Erkrankungen im Gehirn geben, an denen die Augen nicht beteiligt sind, und die machen dann eine noch andere Art von GEsichtsfeldausfällen als die bei Augenerkrankungen.
Und wie das dann in der Praxis so ist - Gott sei Dank muss ich das nicht interpretieren -, lässt sich die Realität manchmal nicht so einfach in Schubladen stecken.

Uff, das war ein weit offenes Fenster, ich hoffe, ich bin nicht herausgeplumst.

lg rop


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