Das Danach bei Plombe und Kryo

Milena, Saturday, 13. December 2008, 23:41 (vor 6316 Tagen)

Hallo alle miteinander!

Schon seit längerer Zeit bin ich hier im Forum unterwegs und habe voller Interesse viele eurer Beiträge gelesen, die mich sehr oft sehr nachdenklich gestimmt haben.

Meine Geschichte ist zwar längst nicht so problematisch wie die von vielen eurer, allerdings hoffe ich auch nicht, dass meine einmal länger wird.

Im Februar diesen Jahres tauchten erstmals Lichtkreise oben links im rechten Auge auf (ich weiß nicht, wie ich es besser sagen kann). Zuerst dachte ich, sie würden nach spätestens einer Woche wieder verschwinden, dem war allerdings nicht so. Nach langen Recherchen im Internet habe ich mich dann dazu durchgerungen, zum Augenarzt zu gehen.

Dieser kam mit Kaffeebecher in das Zimmer rein und meinte im ersten Satz nach meiner Schilderung: „Ist schon merkwürdig.“ Aha… Daraufhin wurde mein Gesichtsfeld überprüft und bei der Auswertung wurde festgestellt, dass „das nicht ganz in Ordnung ist“. Ich selbst habe das Bild auf dem Monitor gesehen und bemerkt, dass genau dort eine riesige rote Stelle war, wo ich dieses Aufleuchten hatte. Dann kam eine Fuhre Tropfen in die Augen und er untersuchte schließlich meine Netzhaut (ohne Kontaktglas): „Tja, das ist ohne Befund. Ich kann nichts feststellen, alles ist in Ordnung“.

Ein halbes Jahr lang lebte ich mit diesem Aufleuchten (4-5x täglich), was mich vor allem in der Schule verrückt machte. In Arbeiten brachte es mich ständig aus dem Konzept, aber ich sagte mir, dass ja eh alles ok sei.
Fortan durchstöberte ich sämtliche Seiten im Internet über Netzhautlöcher, Glaskörperabhebung und Netzhautablösung und ich wurde immer unruhiger.
Daraufhin suchte ich Rat bei einem neuen Augenarzt, der ebenfalls meine Netzhaut auf die gleiche Weise untersuchte. Er überwies mich mit der Frage „Lasern oder nicht>“ in eine Augenklinik, der ich dann auch einen Besuch abstattete. Der nette Arzt entdeckte nichts, bestand aber darauf, dass die Oberärztin noch einmal gucken sollte. Diese schaute auf die Stelle, die ggf. gelasert werden sollte, meinte aber: „So einen Stummel laser‘ ich nicht!“ Ich wollte gerade aufstehen da meinte sie zu ihrem Kollegen: „Da hat die aber ‘ne kleine Ablatio“. Geschockt blieb ich mit dem Wissen sitzen, operiert werden zu müssen- und das auch noch in den Ferien. „Also drei Wochen kann ich dir geben, mehr auf gar keinen Fall!“ Ok…

Anfang Oktober sollte die OP dann stattfinden. Am Tag davor sahen sich die Ärzte nochmal die Stelle an und plötzlich meinte der Chefarzt „Das hat auch noch bis Weihnachten Zeit. Das ist eine ganze typische Stelle bei Jugendlichen.“ Na ja, ich wurde trotzdem am nächsten Tag mit Plombe und Kryo am rechten Auge auf 6 Uhr versorgt. Mir ging’s danach ganz gut, endlich waren auch die Lichtkegel weg.

Bei den Nachuntersuchungen war ich voll im Soll. Eine Wochen später liege ich im Bett, gucke zur Seite und was sehe ich> Genau, wieder dieses lästige Aufleuchten! Ich warte bis zum nächsten Kontrolltermin bei meinem Augenarzt ab und gebe mich zufrieden, natürlich in der Hoffnung, dass es bald wieder besser wird.

Zwei Wochen nach der OP ist wieder alles in Ordnung und das mit dem Aufleuchten sei egal, solange es nicht mehr werden würde. Nach weiteren vier Wochen bekam ich endlich mein neues Brillenglas. Bei nicht erweiteter Pupille schaute er mir genau vier Sekunden ins Auge und machte eine kurze Ultraschalluntersuchung: „Alles wie es sein soll, wir sehen uns in drei Monaten, solange du nichts Komisches bemerken solltest.“ „Ich habe aber immer noch dieses Aufleuchten.“ „Solang es nicht häufiger auftritt ist’s egal.“ „Vorher hatte ich es 4-5x am Tag, jetzt aber bestimmt 8-9x täglich!“ Darauf wurde dann nicht mehr eingegangen.

Das war mein letzter Besuch beim Augenarzt. Seit nunmehr einem Monat habe ich genau die gleichen Symptome wie vor der Operation, diese sogar noch verstärkt. Natürlich weiß ich, auch aufgrund eurer Beiträge, dass das Auge schon Zeit braucht, um sich zu erholen, aber dieses Aufleuchten ist so nervig (vor allem in der Schule), dass ich immer total fertig bin, wenn es auftaucht. Zudem fehlt mir meiner Meinung nach genau da, wo es immer ist, ein Stückchen Bild. Auch abends, wenn ich das Licht ausmache, sehe ich dort oben etwas wie aufsteigenden Nebel. Ist das nach nun knapp 2,5 Monaten nach der OP üblich oder bilde ich mir dort irgendetwas ein> Ich habe solche Angst vor einem Augenarztbesuch, da ich vermute, als Hypochonder abgestempelt zu werden…

Euch einen schönen dritten Advent und großen Dank an alle, die sich hier im Forum engagieren.

Viele Grüße
Milena

Das Danach bei Plombe und Kryo

Wolfram (DD), Dresden, Sunday, 14. December 2008, 07:43 (vor 6316 Tagen) @ Milena

Hallo Milena,
Wenn Du schon längere Zeit hier im Forum bist, kann ich ja schlecht "herzlich Willkommen" sagen ;-)
Ich sag´s mal trotzdem.

Ich lese zwischen Deinen Zeilen eine ganze Menge mehr...
* Enttäuschung über Mediziner, die noch immer nicht begriffen haben, daß man über ihre Patienten in deren Anwesenheit nicht in der 3. Person spricht - (aber vielleicht haben solche Leute ein Zusatzstudium in Arroganz belegt>)
Manche Oberärzte sollte man zu Unterärzten degradieren, auf daß sie erstmal noch menschliche Qualitäten lernen - - aber das sei mal nur ein rethorischer Exkurs. Zum Glück gibt es sehr viele, die nicht in dieses Schema passen!
* Unsicherheit, was denn nun wirklich los ist,
* Angst, daß da doch noch etwas sein könnte...

Warum hast Du Angst, als Hypochonder abgestempelt zu werden> Eine echte Hypochondrie ist eine sehr ernstzunehmende psychische Erkrankung, der man nicht mit "nun reiß dich mal zusammen" begegnen kann. (wenn ein Arzt dieser Meinung ist, sollte er über die Rückgabe seiner Approbation nachdenken - falls er dazu in der Lage ist...)
Aber wenn Du Aufklärung über einen unnormalen Gesundheitszustand forderst, bist Du noch lange kein Hypochonder!
(ich weiß, wovon ich schreibe - ich bin nämlich einer! Und es hat keinen Sinn, diese Erkenntnis zu verdrängen; es ist eine ohnehin sehr eingeschränkte Lebensqualität!)

Ich weiß, daß einem die entscheidenden Fragen erst dann einfallen, wenn die Sprechzimmertür hinter einem "klapp" gemacht hat; aber ich würde an Deiner Stelle doch mal den Stuhl vor der Spaltlampe besetzen und um Aufklärung bitten.
Mit den Blitzen wirst Du leben müssen - aber dieses Stück fehlende Bild und vor allem der im Dunklen aufsteigende Nebel wäre dringendst erklärungsbedürftig.

--
herzliche Grüße aus Dresden
Wolfram

Das Danach bei Plombe und Kryo

gerlind, Monday, 15. December 2008, 14:06 (vor 6314 Tagen) @ Wolfram (DD)

Hallo Milena;
Hatte vor 10 Monaten eine Plomben-Op und nicht unähnliche Erfahrungen wie Du gemacht (wenn Du magst, lies mal meine alten Eintragungen).
Mittlerweile habe ich wieder meine alte Sehschärfe (was schon ein echter Segen ist, sehe aber immer noch die alte Ablösestelle, da bei mir die NH an der Stelle offensichtlich zu lange ab war. Auch Lichtkreise sehe ich seit der Op, vorher habe ich sie nicht gehabt oder nicht wahrgenommen. Erstmal Respekt, dass Du so aufmerksam warst, ich hab da länger gebraucht.
Die anrede über meinen Kopf in der 3. Person kenne ich auch ("wie alt ist sie denn>")Jedenfalls war ich noch nicht senil und hätte diese Frage auch beantworten können....
Ich habe gerade vor einigen Tagen mit meinem Operateur telefoniert, der jetzt von einer Uniklinik in eine Privatklinik gewechselt ist und damit plötzlich für mich erreichbar! Er hat mich auf eine Mail hin sogar selbst angerufen, ich war ganz perplex und konnte endlich mal alles fragen, was mich seit Febrar bewegt. Er sagt, die NH kann sich noch monatelang bis jahrelang erholen, also hab Geduld. Außerdem gewöhnt frau sich auch an die Lichtkreise, auch wenn ich nicht begeistert bin.
Also sei optimistisch, genieße die Weihnachtszeit und alles Gute für Dich!

Das Danach bei Plombe und Kryo

Milena, Monday, 15. December 2008, 21:45 (vor 6314 Tagen) @ gerlind

Vielen Dank für die wirklich netten und beruhigenden Antworten (auf diesem Weg auch alles Gute nachträglich zum Geburtstag, Wolfram!)

Ich werde morgen nun noch einmal zum Arzt gehen, wenn man Müttern einmal etwas erzählt, lassen die ja nicht mehr locker ;-) Werde 'mal berichten...

Viele Grüße

Milena

Das Danach bei Plombe und Kryo

Milena, Thursday, 18. December 2008, 22:57 (vor 6311 Tagen) @ Milena

Gut, dass es Mütter gibt :-)

Zum ersten Mal wurde ich mit Kontaktglas untersucht und gleich drei Netzhautlöcher gefunden. Jetzt bin ich froh, dass mir eine weitere Operation erspart bleibt und ich "nur" gelasert werden muss(te).
Da ich aber noch nichtmals volljährig bin, mache ich mir schon Gedanken, ob ich in zehn Jahren noch gut sehen werde. Kann man das "Jetzt" eigentlich überhaupt auf das, was vielleicht kommen wird, übertragen> Zeichnet sich darin eine Tendenz ab oder ist es im Moment einfach nur Pech>

Viele liebe Grüße

Milena

Das Danach bei Plombe und Kryo

KAtharina @, Camburg/Thüringen, Friday, 19. December 2008, 09:39 (vor 6311 Tagen) @ Milena

Hallo Milena,
was kommt, weiß niemand von uns. Und an Tendenzen wagen sich noch nicht mal die Ärzte. es wird auch keiner bei Dir Prognosen abgeben können. Positiv ist, dass Du nur die Löcher hattest und keine NHA, und dass Du noch so jung bist (wurde mir zumindest immer so gesagt in den Kliniken).
Villeicht solltest Du nun nicht unbedingt Boxen und Bungeejumping machen...

--
Liebe Grüße
Katharina


Ich bin diesen Weg gegangen, um Euch zu zeigen wie es geht…

Das Danach bei Plombe und Kryo

Wolfram (DD), Dresden, Friday, 19. December 2008, 11:00 (vor 6311 Tagen) @ Milena

Hallo Milena,
Gleiche Meinung, wie Katharina!

ich würde aber noch einen anderen Aspekt sehen:
In der Medizin hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Die Geschichte der heutigen Glaskörper- und Netzhautchirurgie ist z.B. gerade mal 30-40 Jahre alt.

Die Erkenntnisse haben sich geändert; was man früher schnell mal prophylaktisch gelasert hat, läßt man heute erstmal in Ruhe; die OP-Techniken haben sich verändert, die Instrumente sind feiner geworden, so daß man heute z.B. in einigen Fällen schon nicht mehr nähen muß.
Vor kurzem hörte ich, daß man auch schon versucht, NH-Schäden minimal-invasiv (also teilweise ohne Entfernung des Glaskörpers) zu beheben.
Bei RP und MD kann man den Verlauf teilweise schon aufhalten.

Das sind greifbare Tendenzen in der Medizin.
Und die lassen Prognosen einerseits grundlegend positiver ausfallen, verhindern sie aber andererseits auch, denn keiner weiß, was noch kommt. Im positiven Sinne!

Die Forschung tut auch viel und läßt hoffen.

Aber: der Verlauf bei jedem einzelnen wird im Endeffekt (!) wohl immer Glück oder Pech sein.
Auch wenn die Möglichkeiten mehr werden.

--
herzliche Grüße aus Dresden
Wolfram

Das Danach bei Plombe und Kryo

Milena, Friday, 19. December 2008, 12:53 (vor 6311 Tagen) @ Wolfram (DD)

Vielen Dank für eure Antworten. Für Boxen& Bungeejumping wär ich eh viel zu feige ;-)

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