Rop

Ute Th. (Sach.), Friday, 09. March 2007, 19:01 (vor 6943 Tagen)

Hallo Rop,
Du schreibst von Zapfen-Dystrophie, das wurde vor ca. 3 Jahren bei der Nichte meines Mannes festgestellt.Sie ist jetzt 14 und man sagte, daß man nichts machen kann. Sie hat jetzt eine spezielle rote Brille, womit sie die Kontraste besser sehen soll. Die Erkrankung soll wohl auf einen genetischen Defekt zurückzuführen sein. Man merk nur, wie es immer bissel schlechter wird. Aber sie spricht nicht darüber und meine Schwägerin lebt so nach dem Motto ,,was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß...
Hatte auch diese Heidelbeerkapseln empfohlen, aber die sind ihr zu teuer....
Sie geht auf eine Sehbehindertenschule. Weißt Du näheres über die Erkrankung>>
Ist einfach alles nur Mist diese ganzen Augenerkrankungen.
Wir müssen auch am Montag zur Kontrolle nach Erlangen und ich zitter schon.
Liebe Grüße und alles Gute
Ute

Re: Rop

rop, Friday, 09. March 2007, 22:09 (vor 6943 Tagen) @ Ute Th. (Sach.)


Als Antwort auf: Rop von Ute Th. (Sach.) am 09. März 2007 19:01:51:


Hi,
Schau mal bei Pro Retina nach, da können auch Heftchen bestellt werden zu Retinitis pigmentosa, aber die meisten Texte des Heftchens sind , so glaube ich, auch wörtlich dort online.
Prinzipiell ist das wohl eine genetische Sache, bei Retinitis pigmentosa gibt es verschiedene Erbgänge: dominant, rezessiv, x-chromosomen-gebunden und spontane Mutationen. Verlauf schleichend oder in Schüben.
Meist in der Peripherie beginnend, Stäbchen zuerst betroffen (sonst hieße es ja Zapfen-Stäbchen-Dystrophie, das gibt es auch, aber das ist dann keine Retinitis pigmentosaI, schreitet dann langsam ins Zentrum fort, nachdem oder bevor dann alle Stäbchen den Geist aufgegeben haben, sind die Zäpfchen dran. Gesichtsfeld engt sich immer mehr ein, bis ein kleiner Gesichtsfeldrest im Zentrum übrig bleibt, der auch zusammenklappen kann.
Je früher der Kram beginnt, desto schwerer verläuft er, die rezessive Form verläuft schwerer )klar, alle beiden Gene des Genpaars an dieser Stelle sind gestört) als die dominante und diese schwerer als die x-chromosomen-gebundene (die nur Männer bekommen, d.h. ERkrankung liegt auf x-Chromosom und überdeckt gesundes y-Chromosom).
Ist nur die Frage, wann das Ganze diagnostiziert wird. Hätte vielleicht bei mir mit elekrischen Messungen auch schon vor zehn oder fünfzehn oder zwanzig Jahren festgestellt werden, aber wer weiß das schon, ich habe immer schlechtes Dämmerungssehen beklagt, schon im Schulalter/Jugendzeit, es ist dann erklärt worden mit hoher Kurzsichtigkeit, Dehnungsveränderungen Netzhaut, ROP und den Netzhaut-OPs an den Stellen. Dummerweise haben sich da wohl mehrere Faktoren überlagert. Selbst der Katarakt ist der gleiche bei ROP und RP (Polstar, hinterer Kapselstar).
Zeichen im Augenhintergrund: Pigmentleere und dann Bildung von Knochenkörperchen, Pigmentablagerungen bzw. Verklumpungen, muss aber nicht sein, enggestellte GEfäße , wachsgelbe Papille. Ich habe nur die enggestellten Gefäße und die wachsgelbe Papille. Es gibt einfach kein einziges Knochenkörperchen, dafür aber eine ausgedehnte Pigmentepitelatrophie. Das RPE - Pigmentschicht - ist die Schicht, die sämtliche Netzhautzellen ernährt. . Auch das gibt es. Dafür aber ein Makulaödem. Wieder Folge von ROP, hoher Kurzsichtigkeit oder Katarakt.
Am Anfang von RP steht eingeschränktes Dämmerungssehen, stärker als normal, zunehmend, dann Nachtblindheit, mittlerweile erkenne ich im Nyktometer erst Kontraste von 1 : 100, vor wenigen Jahren war es noch ! : 23 oder 1 : 32, dann zunehmende GEsichtsfeldeinschränkung habe ich auch, dann Farbsehstörungen der Zapfen, z. B. die Bildschirmgrundfarben, in dem Fall Magenta, Blau und Grün tauchen als Kleckse auf und verschwinden wieder. Oder es sind einfach elektrisch gelbe Kleckse. Es gibt sie in zwei Größen. Einmal erbsengroß und einmal pünktchenklein. Weitere Zapfenstörungen: Kontraste flimmern gegeneinander, das Verarbeiten von Kontrasten dauert länger oder man wird sogar aus der Bahn geworfen und muss sich erst mal neu sortieren, Negativbilder: z.B. ich fixiere ein Auge meiner Tochter beim Wickeln, da schwebt auf einmal schräg darüber das Negativbild, also schwarze "Hornhaut" und weiße Iris (nicht richtig weiß, sie hat dunkelbraune Augen), super Blendempfindlichkeit; Lesegeschwindigkeit nimmt ab....
Messungen: Siehe Seite der Siegburger Augenklinik, dort super erklärt, Ableitungen der Summenantwort aller Stäbchen und aller Zapfen mittels Blitzen und Flimmerreizen nach Dunkelanpassung; Messung der Funktion der Ganglienzellen, des Sehnverven und der Sehrinde mit Musterreizen, Messen derselben Funktion mit sechseckigen Musterreizen für die Makula, das war für mich Guantanamo, ich wäre am liebsten aufgesprungen, lieber ein paar Wehen als das, dann Helladaptation und Messung der subjektiven Reizschwelle des Erkennens von Helligkeit im Dunkeln (Goldmann-Dingens ..... W .... entspricht Nyktometer, nur besser) , Messen des Gesichtsfeldes, Fluoreszenzangiografie, um zu sehen, wie die Gefäße der Netzhaut und der Aderhaut durchblutet sind, wann das Fluorescin da ankommt, wie es sich verteilt oder ob es austritt, Fotografie des Augenhintergrunds, OCT - Querschnitt der Netzhaut, da kann man die einzelnen Schichten gut sehen (Zapfen, Stäbchen, Horizontal- Bipolar- Ganglienzellen, Pigmentepithel, das Pigmentepithel war, glaube ich , rot), dann gibt es noch die Autofluoreszenz der Netzhaut FAF, wurde bei mir nicht gemacht, und die GEsichtsfeldmessung. Und mit diesen Ergebnissen in Verlaufskontrollen kann man dann jede Menge anfangen.

Es wird in dem RP - Bericht und auch in Büchern von Betroffenen berichtet, dass wirklich niemand den Verlauf so richtig vorhersehen kann. Es gibt eben Kinder, die schon erblindet sind (Lebersche kongenitale Amaurose) oder eben Rentner, die noch Zeitung lesen...

Cordula von Brandis-Stiehl - Wenn die Sehkraft schwindet
Glofke-Schulz u.a. - Die zerbrochene Kugel
Täppas Fogelberg - Bevor es dunkel wird - sich mal dessne Bilder im Internet ansehen , was das für ein Typ ist, sieht aus wie "Pettersson und Findus"
Wolfgang P. Rehmert - Diagnose Erblindung

Ich hoffe, ich konnte erst mal weiterhelfen, Grobüberblick.
Drücken wir uns gegenseitig die Daumen.

Der Gag ist bei mir, dass sich eben die Effekte überlagern von ROP , Myopie und RP und Netzhaut-OPs und eben der dritte oft vorhandene Punkt Knochenkörperchen fehlt. Aber andersherum gibt es keine ROP, bei der 120 Millionen Stäbchen irgendwann beschlossen haben, sich selbst zu zerstören.

Unterm Strich kann man sagen, der Stoffwechsel da hinten auf der Netzhaut ist schwer gestört... und irgendwann so schwer, dass der programmierte Zelltod von selbst eingeleitet wird (Apoptose heißt das, glaube ich)

rop

Re: Rop

Kira, Saturday, 10. March 2007, 13:02 (vor 6942 Tagen) @ rop


Als Antwort auf: Re: Rop von rop am 09. März 2007 22:09:26:


Hallo rop,

mensch, Du kennst Dich ja extrem gut aus, diese vielen Fachbegriffe, von vielen hab ich noch nichtmal was gehört...
Aber ich lese das immer sehr interessiert!!!
Und falls ich mal irgendeine Info dazu ergattere, denke ich sofort an Dich!
das wollte ich schon immer mal sagen :-)

Alles Gute und ein Gruß,

Kira :-)

Re: Rop

rop, Tuesday, 13. March 2007, 13:47 (vor 6939 Tagen) @ Kira


Als Antwort auf: Re: Rop von Kira am 10. März 2007 13:02:20:


.... ööh, das bleibt irgendwann nicht aus, lg rop


Re: Rop

Ute Th.(Sach.), Saturday, 10. March 2007, 13:38 (vor 6942 Tagen) @ rop


Als Antwort auf: Re: Rop von rop am 09. März 2007 22:09:26:


Hallo Rop,
vielen Dank für Deine Antwort, bin auch platt was Du für ein Wissen hast. Werde mich da mal noch bissel anhand Deiner Informationen belesen. Tut mir leid das Mädel, wenn der ganze Mist schon so zeitig losgeht.
Ich hoffe, es geht Dir so halbwegs und wünsche Dir von Herzen alles Gute!!!!!
Liebe Grüße Ute

Re: Rop

Klara, Sunday, 11. March 2007, 17:52 (vor 6941 Tagen) @ rop


Als Antwort auf: Re: Rop von rop am 09. März 2007 22:09:26:


Hallo Rop,
deine Situation ist momentan nicht einfach. Ich bewundere,daß du nach wie vor sehr sachlich über das Thema schreibst.
Da bei dir relativ spät die RP erkannt wurde und du schreibst, daß du bereits in der Kindheit schlechtes Dämmerungssehen bemerkt hast, was aber auf die Myopie zurückgeführt wurde, möchte ich dich fragen, ob du als Kind starke Blitze, vor allem im Dunkeln oder bei greller Sonne wahrgenommen hast.Der Grund für meine Frage ist, daß meine 10-jährige Nichte immer wieder über Blitze bei Sonnenschein u. im Dunkeln klagt, aber Augenärzte und -klinik nichts finden außer daß jetzt eine leichte Kurzsichtigkeit diagnostiziert wurde. Meine Bedenken bei meiner Nichte sind auch eine mögliche Stäbchen oder Zäpfchen-Distrophie und ich frage mich, ob man diese Erkankung im Anfangsstadium schon feststellen kann.
Danke für deine Antwort und Alles Gute für dich
Klara


Re: Rop

rop, Tuesday, 13. March 2007, 13:46 (vor 6939 Tagen) @ Klara


Als Antwort auf: Re: Rop von Klara am 11. März 2007 17:52:06:


Hi,
Blitze und Kleckse sind elektrische Sachen, klar. Wenn der Glaskörper an der Netzhaut zieht, gibt es danach einen Blitz. Die Degenerationsveränderungen der Zapfen, die ich jetzt erlebe, sind exakt runde Kreise ohne vorherigen Zug an der Netzhaut (den ich meistens spüre, weil die Augäpfel so lang sind) mit immer der gleichen Größe, erbensgroße Klecke oder minikleine Punkte so wie der Punkt auf dem i. Die Kreise können eben "elektrisch" sein,d.h. gleiche Farbe wie die Blitze, dieses elektrische Gelb, oder Blau oder Magenta (Telekompurpur) oder Grün, exakt die Bildschirmgrundfarben. Die i-Kleckse-Punkte sind nur elektrisch. Diese Kreise kommen langsam, bleiben eine kurze Zeit, wobei die Zeitspanne immer die gleiche ist, Sekundenbruchteile, und gehen wieder, während ein Blitz eben blitzt, wie ein Gewitterblitz.
Beim Goldmann-Weekers-Adaptometer bei der Helladaptation hatte ich dann waagreche Milchstraßenbänder aus diesen kleinen i-Punkten vor mir....

Öh ja....soviel zur Einordnung , der Augenarzt soll sich bei deiner Nichte einfach mal gründlich den Augenhintergrund anschauen. Ist sie Frühgeburt oder kurzsichtig oder hat sie Diabetes>

Und mit dem Thema Erblindung setze ich mich schon seit zehn Jahren auseinander, nur dass da neben dem ROP noch was sein könnte, damit hätte ich niemals gerechnet, schauen wir mal.... im Moment bin ich völlig gefasst...

Alles Gute,
liebe Grüße
rop


@Ute

Kira, Saturday, 10. March 2007, 12:19 (vor 6942 Tagen) @ Ute Th. (Sach.)

Hallo Ute,

ich wünsche Euch ganz viel Glück, dass alles bestens aussieht und Ihr ALLERHÖCHSENS 1 Stunde warten müßt ... ;-)
ALLES GUTE!
War letzte Woche auch in Erlangen, der OA K. war satt und hatte gute Laune und der Prof. M. war auch seeeehr nett! Wirklich :-)
Alles wird gut! Berichte mal, ja>

Drücke Euch alle Daumen!

Ein Gruß,

Kira :-)

Re: @Ute

Ute Th.(Sach.), Saturday, 10. March 2007, 13:47 (vor 6942 Tagen) @ Kira


Als Antwort auf: @Ute von Kira am 10. März 2007 12:19:44:


Liebe Kira,
danke für Deine Antwort. Da warst Du ja gut mit 1 Stunde, unsere Bestzeit lag bei 5 Stunden!! Aber ist mir egal, bin dort sehr zufrieden. OA K. hatte ja Michael so super operiert, bin ihm so dankbar!! Und Prof.M. war auch immer sehr nett obwohl er manchmal sehr unnahbar rüberkommt. Aber da guckt eben auch mal ein Prof. rein, ohne daß man extra bezahlen muß.
Kriege sowieso bis zur Untersuchung keinen Bissen runter!
Melde mich!
Liebe Grüße Ute

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum